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Stammzelle
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top
Als Stammzellen werden allgemein Körperzellen bezeichnet, die sich in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren können. Je nach Art der Stammzelle und ihrer Beeinflussung haben sie das Potenzial, sich in jegliches Gewebe (embryonale Stammzellen) oder in bestimmte festgelegte Gewebetypen (adulte Stammzellen) zu entwickeln.
Stammzellen sind in der Lage, Tochterzellen zu generieren, die selbst wiederum Stammzelleigenschaften besitzen, aber auch solche mit gröĂerer Ausdifferenzierung.cite-ref-1[1] Hierzu befĂ€higt sie ein noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rter Mechanismus asymmetrischer Zellteilung. Ăber das jeweilige Schicksal der Zellen entscheidet dabei vor allem das biologische Milieu, in dem sie sich befinden.
Stammzellen werden vor allem durch ihr ontogenetisches Alter und ihr Differenzierungspotenzial unterschieden: die ontogenetisch frĂŒhesten Stammzellen sind die pluripotenten embryonalen Stammzellen, aus denen spĂ€ter die primitiven Keimstammzellen sowie die somatischen Stamm- und Progenitorzellen (oder VorlĂ€uferzellen) hervorgehen. Phylogenetisch gehen die Stammzellen auf den letzten gemeinsamen eukaryotischen Vorfahren (LECA) zurĂŒck.cite-ref-2[2]
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen. Diese befinden sich an der Spitze des Sprosses im sogenannten Apikalmeristem sowie an den Wurzelspitzen im Wurzelmeristem. Im Gegensatz zu fast allen tierischen und menschlichen Zellen besitzen bei Pflanzen praktisch alle Zellen die FĂ€higkeit, einen kompletten Organismus zu regenerieren.
Contents
âą Klonen
âą Gesetzeslage
âą Stammzellmedizin
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Embryonale Stammzellen
Embryonale Stammzellen (ES-Zellen) sind in vivo und in vitro in der Lage, sich in Zellen aller drei KeimblĂ€tter (Entoderm, Ektoderm und Mesoderm) sowie in Zellen der Keimbahn auszudifferenzieren. Sie werden daher als pluripotent bezeichnet. ES-Zellen werden fĂŒr experimentelle Zwecke â nach Befruchtung der Eizelle im Embryo-Entwicklungsstadium der Blastozyste â aus der inneren Zellmasse (ICM; auch Embryoblast genannt) gewonnen.cite-ref-3[3]
ES-Zellen wurden erstmals 1981 isoliert â aus Blastozysten der Maus. Sie neigen in vitro dazu, spontan zu differenzieren. Dies kann durch Faktoren unterbunden werden, welche die Selbsterneuerung der Zellen fördern. Mehrere solcher Stoffe wurden seit Ende der 1980er Jahre identifiziert, maĂgeblich durch die Gruppe um Austin Smith in Edinburgh. ES-Zellen können daher im Prinzip unbegrenzt vermehrt werden, was unter anderem auch mit der hohen AktivitĂ€t des Enzyms Telomerase zusammenhĂ€ngt. Damit unterscheiden sie sich von anderen (sogenannten primĂ€ren) Körperzellen, die ihre TeilungsaktivitĂ€t in der Kulturschale meist nach kurzer Zeit einstellen (replikative Zellseneszenz).
ES-Zellen bilden im Embryo die VorlĂ€ufer fĂŒr sĂ€mtliche Körperzellen, nicht jedoch fĂŒr die embryonalen Anteile der Plazenta. 2003 konnte im Mausmodell zudem erstmals gezeigt werden, dass ES-Zellen auch zu Keimzellen (Gameten, in der genannten Studie zu Eizellen) differenzieren können.cite-ref-4[4]
Eine bemerkenswerte Eigenschaft von ES-Zellen der Maus besteht darin, dass sie in PrĂ€implantationsembryonen wieder eingefĂŒhrt werden können und nach deren Transfer in scheinschwangere Tiere am Aufbau aller fötalen Gewebe beteiligt werden. Dies kann fĂŒr die zielgerichtete Ausschaltung bestimmter Gene in MĂ€usen benutzt werden. Knock-out-MĂ€use, die sich unter Nutzung von ES-Zellen deutlich schneller produzieren lassen als mit herkömmlichen Techniken, sind von hohem Wert fĂŒr die Erforschung von Genfunktionen und werden auch als menschliche Krankheitsmodelle verwendet.
Weiterhin können ES-Zellen in vitro mehr oder weniger gezielt zu verschiedensten Zelltypen ausdifferenziert werden, z. B. in Nervenzellen. Dieses Gebiet wurde insbesondere ab 1998 mit der erstmaligen Etablierung von humanen ES-Zellen (hES-Zellen) durch James Thomson und John D. Gearhart belebt. hES-Zellen werden im Allgemeinen aus sogenannten ĂŒberzĂ€hligen Embryonen gewonnen, die durch In-vitro-Fertilisation entstanden sind, nicht mehr fĂŒr Fortpflanzungszwecke benötigt werden und daher tiefgefroren gelagert werden. Das Hauptinteresse der Forschung an hES-Zellen gilt der Differenzierung in spezialisierte Zellen, um diese fĂŒr mögliche Zellersatztherapien verfĂŒgbar zu machen.
ES-Zellen werden möglicherweise eines Tages in der Medizin als Ersatzmaterial dienlich sein können. Die Krankheit Morbus Parkinson konnte unter Nutzung differenzierter hES-Zellen zumindest in Tierversuchen bereits behandelt werden. Solche und andere â vor allem im Tiermodell gewonnenen â Erkenntnisse wurden jedoch noch nicht bei gröĂeren SĂ€ugetieren bestĂ€tigt. Trotzdem hat die US-amerikanische Firma Geron bereits erste klinische Studien unter Nutzung von hES-Zellen fĂŒr die Therapie von RĂŒckenmarksverletzungen fĂŒr 2008 angekĂŒndigt. Prinzipiell bedĂŒrfen die bisherigen Ergebnisse jedoch noch einer strengen ĂberprĂŒfung, so dass im Gegensatz zu den adulten Stammzellen (s. u.) eine mögliche klinische Anwendung noch weit entfernt ist.cite-ref-5[5] So können hES-Zellen beispielsweise nach Transplantation in Versuchstiere Tumoren bilden, so dass vor einem klinischen Einsatz sichergestellt sein muss, dass die Transplantate keine undifferenzierten hES-Zellen mehr enthalten. Von groĂer Relevanz könnte auch die immunologisch bedingte AbstoĂung entsprechender Transplantate durch den EmpfĂ€nger sein, ein aus der Transplantationsmedizin hinlĂ€nglich bekanntes Problem.
Eine ethisch weitgehend unbedenkliche Quelle fĂŒr embryonale Stammzellen könnten unbefruchtete Eizellen darstellen, die im Rahmen von Fruchtbarkeitsbehandlungen anfallen und nicht befruchtet werden. Durch elektrische oder chemische Reize können diese Eizellen zur Teilung angeregt werden (Parthenogenese), woraus zum Beispiel Herzmuskelzellen gezĂŒchtet werden können.cite-ref-6[6]
Klonen
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Hauptartikel
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Klonen
Neben der Gewinnung von ES-Zellen aus IVF-Blastozysten ist auch eine Gewinnung von ES-Zellen durch Klonen von Embryonen möglich. Grundlage fĂŒr diese Möglichkeit war das erste erfolgreiche Klonen eines SĂ€ugetiers im Jahr 1996, des Schafs âDollyâ. Unter Nutzung dieser Technik kann durch Ăbertragung des Zellkerns aus einer Körperzelle in eine unbefruchtete, von der inneren Zellmasse befreite Eizelle ein frĂŒher Embryo entstehen, aus dem ES-Zellen angelegt werden können. Die Methode hĂ€tte bei der Anwendung auf den Menschen den Vorteil, dass mit dem Spender genetisch (und damit immunologisch) identische ES-Zellen zur VerfĂŒgung stĂŒnden.
Die Forschung an embryonalen Stammzellen gelang auch durch gefĂ€lschte Ergebnisse in den Fokus der Ăffentlichkeit: Im Jahr 2004 publizierte das Forschungsteam um den sĂŒdkoreanischen Tiermediziner Hwang Woo-suk, es sei erstmals gelungen, einen menschlichen Embryo zu klonen und auf diese Weise Stammzelllinien zu gewinnen (Therapeutisches Klonen). 2005 folgte eine Publikation, ebenfalls in der angesehenen Fachzeitschrift Science, der zufolge die weltweit ersten maĂgeschneiderten embryonalen Stammzellen fĂŒr schwerstkranke Patienten etabliert worden seien. Beide Publikationen stellten sich als weitgehend gefĂ€lscht heraus.
Einen möglichen Durchbruch im Therapeutischen Klonen von Primaten stellen die erstmals im Juni 2007 vorgestellten Ergebnisse eines US-amerikanischen Forscherteams um Shoukhrat Mitalipov dar.cite-ref-7[7] Dem Team gelang es, Rhesusaffen zu klonen und aus den erhaltenen Embryonen zwei Linien embryonaler Stammzellen zu gewinnen. Angewandt wurde dabei das gleiche Verfahren wie bei dem Schaf âDollyâ. Diese Ergebnisse wurden am 14. November 2007 von unabhĂ€ngiger Seite bestĂ€tigt.cite-ref-8[8]
Ethische Kontroverse
Die Art der Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen (abgekĂŒrzt oft: hES-Zellen; h = human) nach In-vitro-Fertilisation fĂŒhrte zu einer hitzigen, bis heute andauernden ethischen Debatte.
Die Verwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen in der Forschung und Medizin wird von einem Teil der Gesellschaft abgelehnt, da zu ihrer Gewinnung die Zerstörung von frĂŒhen menschlichen Embryonen erforderlich ist (âverbrauchendeâ Embryonenforschung). GrundsĂ€tzlich geht es bei der Diskussion in Deutschland vor allem um die Frage, ob der frĂŒhe Embryo als menschliches Wesen unter den WĂŒrdeschutz des Grundgesetzes fĂ€llt und damit sein Leben keinerlei AbwĂ€gungen unterliegen dĂŒrfe. Die Gegner der Stammzellenforschung bemĂŒhen dabei oftmals die so genannten SKIP-Argumente, um von ihrer Position zu ĂŒberzeugen.cite-ref-9[9] Die BefĂŒrworter der Forschung an embryonalen Stammzellen bewerben hingegen hĂ€ufig das möglicherweise sehr hohe positive Potential der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen: Die Wissenschaftler erhoffen sich unter anderem eine Heilung schwerer Krankheiten (Parkinson-Krankheit, Diabetes mellitus, QuerschnittlĂ€hmung) sowie die Möglichkeit, zerstörte Organe nachwachsen zu lassen. Konkrete Hinweise auf solche therapeutischen Erfolge gibt es allerdings zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt lediglich aus Tierexperimenten mit Nagern.
Die Deutsche Bischofskonferenz (katholisch) vertritt die Meinung, dass menschliches Leben ab der Befruchtung der Eizelle vorliege. Dementsprechend gebĂŒhre dem Menschen ab der Befruchtung eine WĂŒrde, die eine Zerstörung der befruchteten Eizelle verbiete.cite-ref-10[10] Ebenso Ă€uĂerte sich die Kongregation fĂŒr die Glaubenslehre unter Joseph Ratzinger 1987 in der Instruktion Donum Vitae.cite-ref-11[11] Papst Johannes Paul II. Ă€uĂerte sich u. a. hierzu in der Enzyklika Evangelium vitae 1995 und griff die entsprechenden Aspekte der Fragestellung aus Donum Vitae auf.cite-ref-12[12] Die pĂ€pstliche Akademie fĂŒr das Leben gab 2000 eine entsprechende ErklĂ€rung heraus, die sich insbesondere mit technischen Fragen der Stammzellforschung auseinandersetzt.cite-ref-13[13] Eine der letzten katholischen Stellungnahmen diesbezĂŒglich war die ErklĂ€rung Dignitas personae der Römischen Glaubenskongregation.cite-ref-14[14]
Ebenso gibt es theologische Ăberzeugungen, dass bereits der frĂŒhe Embryo beseelt sei. Dieser Embryo habe eine Seele und stehe deshalb unter besonderem Schutz. Darauf Bezug nehmend weisen manche BefĂŒrworter der Stammzellforschung darauf hin, dass man im Anschluss an Thomas von Aquin in der katholischen Kirche bis in die Neuzeit glaubte, dass die Beseelung des Embryos schrittweise erfolge (Sukzessivbeseelung) und die höchste Form der Seele, die âanima intellectivaâ, erst ca. drei Monate nach der EmpfĂ€ngnis ĂŒbertragen werde. EndgĂŒltig hat die katholische Kirche erst in der Bulle Apostolicae Sedis (1869, unter Pius IX.) die Lehre von der vollen Menschwerdung am 80. Tag aufgegeben.
Die evangelische Kirche hingegen möchte die Dialogfindung unterstĂŒtzen, um einen Konsens in dieser Frage zu finden. Einig sind sich die Vertreter der evangelischen Kirche darĂŒber, dass fĂŒr die Isolierung embryonaler Stammzellen keine Embryonen hergestellt werden dĂŒrfen. Zur Frage der generellen Verwendung von schon bestehenden embryonalen Stammzellen hat sie bisher noch nicht Stellung bezogen; sie möchte die Grundlagenforschung an embryonalen Stammzellen âso schnell wie möglich hinter sich lassenâ.cite-ref-15[15]
Beim Streit um den moralischen Status des Embryos werden zusammengefasst und ergÀnzt unter anderem folgende Zeitpunktecite-ref-16[16] diskutiert:
⹠Moment der EmpfÀngnis (Kernverschmelzung)
âą Differenzierung von Embryo und Plazenta
âą Zeitpunkt, ab dem eine Mehrlingsbildung ausgeschlossen ist
âą Nidation
âą Erste Ausbildung von Hirnzellen
âą Geburt
âą Erste Wochen nach der Geburt
Gesetzeslage
EuropÀischer Gerichtshof
Menschliche embryonale Stammzellen, fĂŒr deren Gewinnung Embryonen zerstört werden mĂŒssen, so der EuropĂ€ische Gerichtshof (EuGH) am 18. Oktober 2011, dĂŒrfen nicht patentiert werden, da es sich bei befruchteten Eizellen bereits um menschliches Leben handle. Mit diesem Urteil entschied der EuGH einen Patentstreit zwischen dem Neurobiologen Oliver BrĂŒstle und Greenpeace.cite-ref-17[17]
Deutschland
Nach dem Embryonenschutzgesetz ist es in Deutschland verboten, menschliche Embryonen (also auch Blastozysten, die als Quelle fĂŒr embryonale Stammzellen dienen) fĂŒr Forschungszwecke herzustellen, zu klonen oder zu zerstören. Die Forschung an importierten embryonalen Stammzellen ist jedoch unter Auflagen möglich und wurde zunĂ€chst durch das Stammzellgesetz vom Juli 2002 geregelt. Dieses Gesetz und insbesondere die darin enthaltene Regelung, dass nur embryonale Stammzellen nach Deutschland importiert werden durften, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden waren (Stichtagsregelung), war von Beginn an umstritten. Im FrĂŒhjahr 2008 debattierte der Deutsche Bundestag ĂŒber eine Novellierung des Stammzellgesetzes, in der neben der Verschiebung des Stichtages auch die völlige Freigabe des Imports sowie das Verbot der Stammzellforschung mit embryonalen Stammzellen in GruppenantrĂ€gen vorgeschlagen wurde.cite-ref-18[18] Am 11. April 2008 beschloss der Deutsche Bundestag einen neuen Stichtag, so dass nun Stammzellen importiert werden dĂŒrfen, die vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden.cite-ref-19[19]
Das Robert Koch-Institut fĂŒhrt gemÀà § 11 Stammzellgesetz (StZG) ein öffentlich zugĂ€ngliches Register. Dieses enthĂ€lt Angaben zu genehmigten Forschungsvorhaben nach dem StZG und zu den humanen embryonalen Stammzell-Linien enthalten sind, deren Import und Verwendung genehmigt worden ist.cite-ref-20[20]
Ăsterreich
In Ăsterreich ist die Forschung an importierten pluripotenten embryonalen Stammzellen nach geltendem Recht ohne EinschrĂ€nkungen erlaubt. Dies gilt auch fĂŒr das therapeutische Klonen. Verboten wĂ€re jedoch gemÀà § 9 des Fortpflanzungsmedizingesetzes die Gewinnung von embryonalen Stammzellen, sofern diese in Ăsterreich stattfĂ€nde. Die Verwendung von totipotenten Stammzellen ist nur zu Zwecken der Fortpflanzung erlaubt.cite-ref-21[21]
Polen
In Polen wird die Forschung an menschlichen Embryonen bestraft, wenn diese zur Zerstörung des Embryos in vitro fĂŒhrt. Dies wird mit der Abtreibung gleichgesetzt und kann mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren geahndet werden. Zur Forschung mit embryonalen Stammzellen aus dem Ausland gibt es keine bindende gesetzliche Regelung. Zurzeit gilt die Richtlinie vom 13. Januar 2004; sie besagt, dass âForschung an embryonalen Stammzellen nur dann zugelassen werden sollte, wenn sie die Rettung menschlichen Lebens zum Ziel hat.âcite-ref-22[22] Hier bietet die Definition des âmenschlichen Lebensâ jedoch viel Interpretationsspielraum.
Schweiz
In der Schweiz dĂŒrfen Wissenschaftler aus ĂŒberzĂ€hligen menschlichen Embryonen (das heiĂt aus solchen, die in der Fortpflanzungsmedizin keine Verwendung finden) Stammzellen gewinnen und mit den Zellen forschen. Der Schweizer Bundesrat verabschiedete im Februar 2005 ein entsprechendes Gesetz, nachdem sich zuvor in einer Volksabstimmung mehr als 66 Prozent der Schweizer WĂ€hler fĂŒr dieses Gesetz ausgesprochen hatten.cite-ref-23[23] Voraussetzung gemÀà Art. 5 ff. Stammzellforschungsgesetz ist, dass die Einwilligung des Spenderpaares vorliegt, die Spende unentgeltlich erfolgt und keine der Personen, fĂŒr deren Forschungsprojekt die Zellen gewonnen werden, am Fortpflanzungsverfahren beteiligt war. Das Klonen von menschlichen Zellen ist verboten.
GroĂbritannien
In GroĂbritannien ist sowohl die Erzeugung von menschlichen embryonalen Stammzellen als auch das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken erlaubt.
Vereinigte Staaten
In den USA wurde die Forschung an embryonalen Stammzellen mit öffentlichen Mitteln des Bundes bis Ende 2009 nur gefördert, wenn die verwendeten Stammzelllinien schon vor August 2001 existierten. Im Juli 2006 hatten der US-Senat und das ReprĂ€sentantenhaus zwar fĂŒr eine Aufhebung dieser EinschrĂ€nkung gestimmt; dagegen hat PrĂ€sident George W. Bush jedoch sein Veto eingelegt.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] FĂŒr die Forschungsförderung der Bundesstaaten und fĂŒr privat finanzierte Forschung hatte diese EinschrĂ€nkung allerdings keine GĂŒltigkeit.cite-ref-27[27] Daher konnte Kalifornien 2004 in einer Volksabstimmung beschlieĂen, die embryonale Stammzellforschung mit drei Milliarden Dollar zu fördern.cite-ref-28[28] Im MĂ€rz 2009 hatte PrĂ€sident Barack Obama angekĂŒndigt, dass er die Stammzellenforschung wieder mit Staatsgeldern fördern wolle. Diese AnkĂŒndigung wurde im Dezember 2009 durch die zustĂ€ndigen Behörden umgesetzt, indem sie die Nutzung von zunĂ€chst 13 Linien embryonaler Stammzellen freigaben.cite-ref-29[29] Im August 2010 wurde diese Förderung von einem US-Gericht wieder blockiert, da sie gegen ein Gesetz verstoĂe, das die Zerstörung menschlicher Embryonen verbietet.cite-ref-30[30]
Postembryonale Stammzellen
Die Gruppe der postembryonalen Stammzellen umfasst all jene Stammzellen, die nach Abschluss der Embryonalentwicklung im Organismus von SÀugetieren vorkommen. Nach ihrem ontogenetischen Alter werden sie weiterhin in fötale, neonatale und adulte Stammzellen unterteilt.
Das Differenzierungspotential von postembryonalen Stammzellen ist nach gegenwĂ€rtiger Erkenntnis auf die Ausreifung genetisch determinierter Gewebe â etwa der Haut, der Leber oder des hĂ€matopoetischen Systems â beschrĂ€nkt. Sie werden daher im Gegensatz zu den ES-Zellen nicht mehr als pluripotent, sondern nur noch als multipotent bezeichnet.
Adulte Stammzellen
WĂ€hrend embryonale Stammzellen nur im frĂŒhen Embryo vorkommen, sind adulte (vom Lateinischen fĂŒr erwachsen, auch somatisch genannte) Stammzellen im Organismus nach der Geburt (postnatales Stadium) vorhanden. Aus diesen Zellen werden wĂ€hrend der gesamten Lebensdauer des Organismus neue spezialisierte Zellen gebildet. Adulte Stammzellen, die in Organen (besonders im Knochenmark, in der Haut, aber auch im Fettgewebe, in der Nabelschnur und im Nabelschnurblut, im Menstruationsblut,cite-ref-31[31] im Gehirn, der Leber oder der BauchspeicheldrĂŒse) zu finden sind, haben aber im Allgemeinen in Zellkultur ein deutlich geringeres Selbsterneuerungsvermögen und ein eingeschrĂ€nkteres Differenzierungspotential als embryonale Stammzellen. So können sich neurale Stammzellen zu allen Zelltypen des Nervengewebes (Neuronen, Glia etc.), wohl aber nicht zu Leber- oder Muskelzellen entwickeln. Ein Keimblatt-ĂŒberschreitendes Differenzierungspotential bestimmter Stammzelltypen (FĂ€higkeit zur Transdifferenzierung) wurde in verschiedenen Studien beobachtet, ist jedoch höchst umstritten.
Adulte Stammzellen sind in jedem Individuum verfĂŒgbar, so dass die Perspektive des Ersatzes durch körpereigene, d. h. autologe Zellen gegeben ist und sie sich dadurch fĂŒr die Technik des Tissue Engineering anbieten. Auch scheint die Neigung zur malignen Entartung bei Implantation adulter Stammzellen geringer zu sein als bei embryonalen Stammzellen. Eine Entartung konnte bei der klinischen Verwendung von adulten Stammzellen bisher nicht beobachtet werden.
Die Gewinnung von adulten Stammzellen und von Progenitorzellen aus dem Knochenmark erfolgt mittels Punktion des Beckenknochens unter Vollnarkose oder neuerdings verstĂ€rkt mittels der Stammzellapherese. Die Gewinnung von Nabelschnurblutstammzellen erfolgt nach der Abnabelung des Kindes, durch die Entnahme des restlichen, noch in Nabelschnur und Plazenta befindlichen Bluts. Die Gewinnung von multipotenten Stammzellen aus der Haut erfolgt mittels einer kleinen Hautbiopsie in örtlicher BetĂ€ubung im ambulanten Bereich. Danach werden die Stammzellen aus dem Gewebeverband gelöst und stehen zur weiteren Verwendung oder der Lagerung ĂŒber viele Jahre als Vorsorge, wie schon heute von deutschen Unternehmen angeboten, zur VerfĂŒgung.
Im Rahmen einer normalen Eigenblutspende können zirkulierende Endotheliale VorlĂ€uferzellen gewonnen werden. Das Potential dieser autologen (körpereigenen) VorlĂ€uferzellen fĂŒr die Therapie von Herz- und GefĂ€Ăerkrankungen wird derzeit in klinischen Studien untersucht. Der Vorteil der Verwendung autologer VorlĂ€uferzellen liegt in der fehlenden ImmunogenitĂ€t, d. h. die transplantierten Zellen werden vom Immunsystem nicht als fremd erkannt.
Der niederlĂ€ndische Immunologe und Molekularbiologe Hans Clevers hat 2009 ein Verfahren zur Vermehrung adulter Stammzellen entwickelt, mit dem er rudimentĂ€re Organe im Miniaturformat (sogenannte Organoide) zĂŒchten kann, wofĂŒr er im September 2016 den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis fĂŒr die EuropĂ€ische Wissenschaft erhielt.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] Der PreistrĂ€ger interessiert sich besonders fĂŒr die Signale, die Stammzellen zur Teilung anregen. Mittels eines von ihm entdeckten Rezeptors (Lgr5), der nur bei Stammzellen vorkommt, konnte er diese aus entnommenem Darmgewebe isolieren.cite-ref-pmid19329995-34-0[34] Im Jahr 2013 war Clevers in der Lage, Darm-Stammzellen von Patienten, die an der Erbkrankheit Mukoviszidose leiden, mithilfe des Genome Editing von diesem Gendefekt zu befreien.cite-ref-35[35]
KĂŒnstlich reprogrammierte Stammzellen
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Hauptartikel
:
Induzierte pluripotente Stammzelle
Kazutoshi Takahashi und Shinya Yamanaka von der UniversitĂ€t KyĆto und Forscher von der UniversitĂ€t Wisconsin berichteten 2006 bzw. 2007 in Cell und Science, es sei ihnen gelungen, Körperzellen erwachsener Menschen in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) umzuwandeln.cite-ref-36[36] Dabei seien vier zentrale, ruhende Entwicklungsgene in den Zellen aktiviert worden, so dass sie in eine Art embryonalen Zustand zurĂŒckversetzt wurden. Aus den kĂŒnstlich reprogrammierten Stammzellen konnten die Forscher in der Petrischale gereifte Zellen, z. B. Herzmuskel- und Nervenzellen, heranzĂŒchten.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]
Zur erstmaligen Reprogrammierung wurden die Gene Oct-4, Sox-2, c-Myc und Klf-4 mit Retroviren in die Zellen geschleust (Transduktion). Im Tierversuch entwickelte ein FĂŒnftel der verwendeten MĂ€use Tumoren, vermutlich, weil zwei der verwendeten Gene krebsfördernd sein können (sog. Protoonkogene). Um bei medizinischer Anwendung ein Risiko durch eingebrachte krebsfördernde Gene auszuschlieĂen, werden alternative Methoden zur Reprogrammierung gesucht. Geforscht wird u. a. an kleinen MolekĂŒlen (z. B. Peptiden), die die natĂŒrlich im Erbgut der Zelle vorkommenden Stammzellgene aktivieren.cite-ref-39[39] Um eine Tumorbildung zu vermeiden, versuchen Forscher auĂerdem die Methode der Geneinschleusung mit Retroviren und die Nutzung der Protoonkogene c-Myc und Klf-4 zu vermeiden, indem die Einschleusung mit nicht-integrierenden Adenoviren und alternativen Genen (Nanog, lin-28) durchgefĂŒhrt wird.cite-ref-pmid18818365-40-0[40]cite-ref-pmid18059259-41-0[41]
Im Gegensatz zu Retroviren wird die gewĂŒnschte Gensequenz durch Adenoviren nicht in das Genom der Wirtszelle integriert, womit die IntegritĂ€t des Wirtsgenoms erhalten bleibt.
DarĂŒber hinaus ist es gelungen, iPS-Zellen durch Transfektion nur eines Pluripotenzgens aus Zellen zu erzeugen, die die ĂŒbrigen drei Gene natĂŒrlich exprimieren.cite-ref-pmid19203577-42-0[42]
Im Dezember 2007 berichteten Forscher um Jacob Hanna vom Whitehead Institute for Biomedical Research im US-amerikanischen Cambridge, dass es gelungen sei, mit iPS-Zellen MĂ€use zu heilen, die an SichelzellenanĂ€mie gelitten hatten. In den aus dem Schwanz mittels Reprogrammierung gewonnenen iPS-Zellen ersetzten die Forscher das verĂ€nderte Gen, welches die SichelzellenanĂ€mie auslöst durch die gesunde Erbanlage mittels homologer Rekombination. Aus den so behandelten Stammzellen wurden blutbildende VorlĂ€uferzellen gezĂŒchtet, die sich zu verschiedenen Blutzellen und Zellen des Immunsystems weiterentwickeln können. Die VorlĂ€uferzellen wurden in die erkrankten MĂ€use transplantiert, wo sie offenbar zu gesunden Blutzellen heranwuchsen. Wie das Team berichtet, verschwanden die Symptome der Versuchstiere durch die Behandlung nahezu vollstĂ€ndig.cite-ref-43[43] Diese und verwandte Veröffentlichungen sind allerdings mit gewissem Vorbehalt zu betrachten. Es sind mehrere unklare Angaben zu Proteinen, zur zellulĂ€ren Biochemie und zu Zellprozessen zu finden, wie z. B. zum Homöoboxprotein NANOG oder zu c-Myc bezĂŒglich Krebsentstehung.
In Deutschland forschen u. a. Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut fĂŒr molekulare Biomedizin in MĂŒnster und Oliver BrĂŒstle, Direktor des Instituts fĂŒr Rekonstruktive Neurobiologie der UniversitĂ€t Bonn ĂŒber iPS-Zellen. Die beiden Wissenschaftler leiten gemeinsam das Netzwerk Stammzellforschung NRW.cite-ref-44[44] Ihre Erwartungen richten sich aus der Stammzellforschung heraus auf die Entwicklung von Medikamenten, die sie mittelfristig als besonders vielversprechend ansehen.
Stammzellmedizin
Seit ĂŒber 40 Jahren werden die blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks in der Behandlung von LeukĂ€mie und von Lymphomen eingesetzt (siehe auch Stammzelltransplantation). WĂ€hrend einer Chemotherapie z. B. werden die meisten schnell wachsenden Zellen durch zytotoxische Bestandteile zerstört. Dadurch werden nicht nur die Krebszellen abgetötet; auch die Stammzellen, die andere Körperzellen reparieren sollten, werden durch die Therapie in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen sind hierbei die blutbildenden Stammzellen. Deshalb werden vor der Chemotherapie Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten (durch sogenannte autologe Transplantation) oder von einem passenden Spender gewonnen (sogenannte allogene Transplantation). Nach Abschluss der chemotherapeutischen Behandlung werden die blutbildenden Stammzellen injiziert. Diese Stammzellen produzieren dann groĂe Mengen an roten und weiĂen Blutkörperchen, wodurch das Blut gesund erhalten werden kann und Infektionen besser abgewehrt werden können.
Nicht blutbildende adulte Stammzellen sind innerhalb einzelner Studien bereits mit Erfolg bei LÀhmungen nach WirbelsÀulenverletzungen und bei Morbus Parkinson eingesetzt worden. Bei erfolgreichen klinischen Studien konnten Stammzellen aus dem Knochenmark Patienten nach Herzinfarkt oder bei Multipler Sklerose zu einer besseren Regeneration verhelfen. Inzwischen hat man auch in der Haut multipotente Stammzellen entdeckt, die sich potentiell in allen Organgeweben des Menschen entwickeln und hier zur Regeneration beitragen können.
Im Oktober 2010 begann in den USA eine erste klinische Testphase, in der geklĂ€rt werden soll, ob erfolgreiche Experimente mit querschnittgelĂ€hmten Ratten auf frisch am RĂŒckenmark verletzte Menschen ĂŒbertragbar sind.cite-ref-45[45]
Der erste nachgewiesene Einsatz einer regenerativen Stammzelltherapie zur Behandlung von Verletzungen bei einem Wildtier erfolgte 2011 in Brasilien.cite-ref-apm-46-0[46]cite-ref-posc-47-0[47] Bei dieser Gelegenheit verwendete der Zoologischer Garten BrasĂlia Stammzellen, um einen MĂ€hnenwolf zu behandeln, der von einem Auto ĂŒberfahren worden war, und der dann völlig genesen in die Wildnis zurĂŒckgebracht wurde.cite-ref-apm-46-1[46]cite-ref-posc-47-1[47]
Stammzellforschung
Derzeit gelingt es in Versuchen an Ratten, Gehirntumoren durch die Injektion von adulten Stammzellen zu behandeln. Wissenschaftler der Harvard University haben die Zellen gentechnisch so verĂ€ndert, dass sie eine andere, gleichzeitig injizierte Substanz in einen Krebszellen tötenden Stoff umwandeln. Die GröĂe der Tumoren konnte um 80 Prozent reduziert werden.
Stammzellen scheinen auĂerdem in der Lage zu sein, Zellen, die durch einen Herzinfarkt geschĂ€digt wurden, zu erneuern. An der Columbia-Presbyterian University ist es gelungen, die Herzfunktion nach einem Infarkt bei MĂ€usen durch die Injektion von Knochenmark-Stammzellen um 33 Prozent zu verbessern. Das zerstörte Gewebe regenerierte sich zu 68 Prozent wieder. Allerdings wird mittlerweile davon ausgegangen, dass dieses auf parakrine oder andere Effekte der transplantierten Zellen zurĂŒckzufĂŒhren ist, eine Transdifferenzierung hĂ€matopoetischer Stammzellen zu Kardiomyozyten fand jedoch nicht statt.cite-ref-48[48]
Die Anwendung autologer Stammzellen bei HerzschĂ€den wird in verschiedenen Herzzentren europaweit in klinischen Studien untersucht. Inwieweit tatsĂ€chlich Herzmuskelzellen regeneriert werden, ist bisher ungeklĂ€rt. In Deutschland wird u. a. am Klinikum der UniversitĂ€t Frankfurt in einer klinischen Studie der Nutzen von Stammzellen fĂŒr die Regeneration des Herzens erforscht. Adulte Stammzellen werden hier durch Zentrifugation aus Blut gewonnen, durch anschlieĂende Ausbringung auf Fibronectin-Platten kultiviert und auf diesen selektiv angereichert; sie haften auf den Platten an, so dass andere Zellen abgespĂŒlt werden können. Nach drei Tagen Kultivierung können sie von den Platten abgelöst und â mit Hilfe geeigneter NĂ€hrmedien â ins Herz eingebracht werden. In vergleichbarer Weise können adulte Stammzellen auch aus Muskelgewebe aus der Haut gewonnen werden, allerdings dauert hier die Kultivierung nicht drei, sondern ungefĂ€hr 20 Tage.
Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich fĂŒr adulte Stammzellen ist die Regeneration von Knorpel und Knochen. Verschiedene renommierte Forschungsinstitute in Israel, England und Slowenien haben relevante klinische Daten publiziert.
Die Forschung mit pluripotenten Stammzellen hat jedoch 2011 einen massiven RĂŒckschlag erlitten, der schlimmstenfalls zum Ende des bisherigen HoffnungstrĂ€gers der regenerativen Medizin fĂŒhren könnte. Wissenschaftler der University of California, San Diego School of Medicine und des Scripps Research Institute wiesen schwere genetische VerĂ€nderungen in pluripotenten Stammzelllinien nach. Demnach weisen humane embryonale Stammzellen (hESC) und induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC) hĂ€ufiger Genom-Aberrationen auf als ihre normalen Zellpendants. In den untersuchten hESCs lagen erhebliche Duplikationen vor, wĂ€hrend die iPSCs erhebliche Deletionen aufwiesen. Die Auswirkungen dieser genetischen VerĂ€nderungen auf potenzielle klinische Anwendungen sind jedoch noch unklar.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]
Am 15. Mai 2013 wurde in Cell berichtet, dass es erstmals gelungen sei, im Wege des Zellkerntransfers pluripotente menschliche Stammzellen zu gewinnen und zu spezialisierten Zellen der BauchspeicheldrĂŒse sowie zu Blut-, Herz-, Leber- und Nervenzellen fortzuentwickeln.cite-ref-51[51]
Mittlerweile gibt es auf Basis von embryonalen Stammzellen neue Therapiemöglichkeiten. Seit April 2011 laufen die einzigen zwei von der US-FDA (Food and Drug Administration) genehmigten Patientenversuche.cite-ref-52[52] Hier werden Ă€ltere Patienten mit trockener Makuladegeneration (AMD) und jĂŒngere Patienten mit Stargardt Dystrophy (SMD) mit RPE-Zellen behandelt, d. h. ihnen werden 50â200.000 Retinal Pigment Epithel (RPE)-Zellen in die Retina eines Auges injiziert. Diese Zellen werden aus embryonalen Stammzellen gewonnen, ohne dass ein Embryo zerstört wird (patentierte Blastomertechnik, Ă€hnlich der PID-Diagnostik). Mittlerweile sind ĂŒber 40 Patienten in vier Augenkliniken der USA und zwei in GroĂbritannien behandelt worden. Im Oktober 2014 erschien in The Lancet ein Peer-Review-Artikel.cite-ref-53[53] Ihm zufolge habe die Mehrzahl der Patienten signifikante Sehverbesserungen aufgewiesen. Dies hat die US-FDA dazu bewogen, auch fĂŒr jĂŒngere Patienten eine Versuchsreihe zu genehmigen. GrundsĂ€tzlich beginnen solche Versuche mit Ă€lteren Patienten, die schon eine fortgeschrittene Erkrankung ihrer Sehleistung haben. Vorrangig geht es um die sichere Verwendung der Therapie.
Im Juni 2023 berichtete Magdalena Ć»ernicka-Goetz der University of Cambridge und des California Institute of Technology in einem Konferenzbeitrag, durch eine Umprogrammierung menschlicher embryonalen Stammzellen embryo-Ă€hnliche Modelle erzeugt zu haben. Dadurch soll die erste Phase embryonaler Entwicklungen untersucht werden können, ohne hierfĂŒr Eizellen oder Sperma zu benötigen.cite-ref-54[54] Ihre Arbeitsgruppe hatte zuvor bereits vergleichbare Ergebnisse an embryonalen Stammzellen von MĂ€usen veröffentlicht.cite-ref-55[55]
Stammzellengewinnung aus dem Zahnmark der MilchzÀhne
Das Milchzahngebiss eignet sich als Quelle der Stammzellengewinnung.cite-ref-56[56] Die im Zahnmark befindlichen Zellen können extrahiert, mit einem speziellen Wachstumsmittel kultiviert und schlieĂlich fĂŒr medizinische Zwecke konserviert werden. Die Stammzellen können in der Zahnmedizin fĂŒr die Regeneration der dentalen Pulpa bei Erwachsenen eingesetzt werden. Mithilfe einer Verpflanzung von Stammzellen im Rahmen eines Tissue Engineerings können sich Teile der WurzelkanĂ€le wieder erneuern.cite-ref-57[57]
Literatur
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Weblinks
Commons
: Stammzelle
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Stammzelle
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Historisches
âą Remarks to trace the scientific steps that eventually led to the recognition of the blood stem cell as an important entity of its own Anmerkungen von Theodor M. Fliedner in Stem Cells, Band 16 (6), 1998, S. 357â360.
Gesellschaftliches
âą âStammzellforschung â ein kontroverses Thema fĂŒr einen anspruchsvollen Unterrichtâ
âą Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW
âą Blickpunkt âForschung mit humanen embryonalen Stammzellenâ (Deutsches Referenzzentrum fĂŒr Ethik in den Biowissenschaften)
âą Stammzellen-Debatte.de: Informationen zur Debatte ĂŒber embryonale und adulte Stammzellen, therapeutisches und reproduktives Klonen (InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland)
âą Artikel ĂŒber den Status der Stammzelle und die bioethische Diskussion in Deutschland im NOVO-Magazin.
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